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Sportartikel-Krise

Adidas schüttelt den Nike-Absturz ab 02.10.2026, 15:55 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Erst gerieten die Papiere aus Herzogenaurach in den Sog des großen US-Rivalen, dann drehten sie. Nach einem Tagestief bei rund 138,40 Euro kostet die Adidas-Aktie am Nachmittag 144,30 Euro und liegt damit knapp 1,5 Prozent im Plus. Unter Aktionären mischt sich Erleichterung mit der Frage, ob die Schwäche von Nike am Ende sogar zum Vorteil werden könnte.

Nike kappt den Ausblick und verordnet sich ein Sparprogramm

Auslöser war der Quartalsbericht von Nike am Donnerstagabend. Zwar fiel der Gewinn im ersten Geschäftsquartal besser aus als befürchtet, für das bis Ende Mai 2027 laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern aber einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich. Ein Sparprogramm mit Stellenabbau soll in den kommenden Jahren 2,5 Milliarden US-Dollar einbringen. Vorbörslich war die Nike-Aktie um rund zehn Prozent auf ein Tief seit 2013 eingebrochen, hierzulande kostet sie aktuell gut 29 Euro und damit rund 6,5 Prozent weniger als am Vorabend. Am Markt gelten die Probleme allerdings als weitgehend hausgemacht: Nike hatte jahrelang auf den Direktvertrieb gesetzt und dabei Regalplatz im Handel an die Konkurrenz verloren.

Aus Anlegersicht passt das ins Bild. Kunden, die sich von Nike abwenden, wechselten zu Adidas, lautet das Argument. Gleichzeitig wird eingewandt, dass dieser Effekt nur so lange trage, wie Adidas die eigenen Ziele erreicht – andernfalls könnten die Käufer genauso schnell wieder zurückwandern. Die Stimmung bleibt damit vorsichtig zuversichtlich.

Analysten kürzen ihre Gewinnschätzungen für Adidas

Ganz spurlos geht die Branchenflaute an Adidas nicht vorbei. JPMorgan senkte das Kursziel von 230 auf 210 Euro und beließ die Einstufung auf „Overweight“, Deutsche Bank Research nahm das Ziel von 210 auf 205 Euro zurück und bleibt bei „Buy“. Auch Metzler reduzierte die Prognosen für das operative Ergebnis bis 2028 um bis zu 9 Prozent und verwies auf Branchendaten und Wechselkurse. Hinzu kommt, dass Adidas in einem Briefing signalisiert hat, dass sich das operative Ergebnis in diesem Jahr noch stärker ins Schlussquartal verschieben dürfte. An den Konsensschätzungen für 2026 und 2027 sollte das laut RBC kaum etwas ändern. Alle genannten Einschätzungen sind externe Analystenmeinungen und keine redaktionelle Empfehlung.

Auf Aktionärsseite richtet sich der Blick vor allem auf die Bewertung. Nike werde trotz des Kursrutsches noch immer mit dem rund 22-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, heißt es mit spürbarem Sarkasmus – während bei Adidas das Geschäft wenigstens in die richtige Richtung laufe. Der Ton gegenüber dem US-Konzern ist entsprechend spöttisch.

Rabatte und Marge bleiben der Streitpunkt

Bei Citigroup wird damit gerechnet, dass Adidas und Puma dem Branchenprimus Marktanteile abjagen könnten. Puma legt am Nachmittag rund 0,6 Prozent auf 22,49 Euro zu. Ob Adidas die Chance nutzt, ist unter Anlegern jedoch umstritten. Aus skeptischer Sicht kämen die Zuwächse vor allem über Preisnachlässe zustande, zudem hänge die Marke stark am Modezyklus.

Wer Qualität sucht, greift zu Nike; wer puren Lifestyle will, zu Adidas. […] Wenn der Modetrend abflaut, bleibt von der Marge nichts übrig.

Der Einwand, es fehle an echten Innovationen, stößt allerdings auf Widerspruch: Ein Sportartikelhersteller müsse keine Raketentechnik liefern, so die Gegenposition. Die Diskussion bleibt damit gespalten zwischen Zuversicht in die Marke und Sorge um die Margen. Auf Jahressicht hat die Aktie trotz der heutigen Erholung knapp ein Viertel an Wert verloren – vor gut zwölf Monaten kostete sie noch knapp 188 Euro.

Bn-Redaktion/sb
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