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Streik in Taiwan droht

Micron treibt Chipwerte und stockt selbst 02.10.2026, 15:34 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Fünfmal so viel Umsatz wie vor einem Jahr – die jüngsten Quartalszahlen des US-Speicherchipherstellers treiben Europas Halbleiterbranche an. Nur die Aktie von Micron selbst kommt kaum vom Fleck: Am Nachmittag notiert sie bei rund 974 Euro gerade 0,3 Prozent höher, nachdem sie im Tagesverlauf schon bis auf 990 Euro geklettert war. Unter Aktionären richtet sich der Blick ohnehin weniger auf die Bilanz als nach Taiwan, wo eine Gewerkschaft auf eine Streikabstimmung zusteuert.

Infineon springt um sieben Prozent

Der europäische Technologiesektor setzt seinen Mitte September begonnenen Aufwärtstrend fort. Der Stoxx Europe 600 Technology gewinnt 2,4 Prozent und nähert sich den Jahreshochs aus dem Juni. Infineon hat das Plus vom Vormittag sogar noch ausgebaut und liegt inzwischen 7 Prozent höher bei 64,16 Euro. STMicroelectronics steigt um 3,7 Prozent, ASML um 1,9 Prozent auf 1.638,70 Euro. Rückenwind liefern die Zahlen von Micron: Im vierten Geschäftsquartal setzte der Konzern 54,2 Milliarden Dollar um und verdiente nach Steuern rund 38 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal stellt das Management 60 bis 63 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht – mehr als am Markt erwartet.

Aus Anlegersicht sei damit eine Neubewertung der Aktie angestoßen: Gemessen an den erwarteten Gewinnen sei der Titel trotz der Kursvervielfachung binnen eines Jahres keineswegs teuer. Das deckt sich mit einer Einschätzung der Consorsbank, wonach viele KI-Aktien auf Basis der Gewinnerwartungen moderat bewertet wirkten – gemessen an den bereits erzielten Gewinnen dagegen teuer. Die Stimmung zu den Zahlen ist entsprechend selbstbewusst.

Gewerkschaft will 15 Prozent vom Betriebsgewinn

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt dagegen der Arbeitskampf in Taiwan, einem der wichtigsten Produktionsstandorte für Arbeitsspeicher in KI-Servern. Die Gewerkschaften an den Standorten Taoyuan und Taichung vertreten nach eigenen Angaben mehr als 70 Prozent der rund 15.000 Beschäftigten im Land. Sie fordern, dauerhaft 15 Prozent des operativen Gewinns als Bonus auszuschütten – statt einmaliger Zahlungen. Nach gescheiterter Schlichtung plant die Gewerkschaft in Taoyuan eine Streikabstimmung, in Taichung ist für den 22. Oktober eine weitere Schlichtungsrunde angesetzt. Micron verweist auf die bislang größten Bonuszahlungen der Firmengeschichte.

Auf Aktionärsseite wird der Konflikt eher als Verhandlungspoker gelesen, der mit einer Einigung enden dürfte. Die Forderung kratze angesichts der hohen Margen nur wenig am Ergebnis, lautet ein Argument.

Micron macht ein neues Angebot - die Gewerkschaft stimmt zu - Micron wird danach die Preise erhöhen und fertig ist die Laube.

Ganz so glatt sehen es nicht alle. Der Einwand: Gerade weil Micron als zyklischer Speicherhersteller schwache Jahre fürchten müsse, wolle das Management eine feste Gewinnbeteiligung um jeden Preis vermeiden – die Fronten seien entsprechend verhärtet. Der Ton bleibt gelassen, ganz abgehakt ist das Thema aber nicht.

Schwacher US-Jobbericht drückt die Renditen

Zusätzliche Unterstützung kam am Nachmittag aus den USA. Im September entstanden außerhalb der Landwirtschaft nur 29.000 neue Stellen, erwartet worden waren rund 84.000. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent. Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben daraufhin nach – an den Märkten wächst die Erwartung, dass die US-Notenbank nach ihrer ersten Zinserhöhung seit drei Jahren im September im Oktober stillhalten könnte. Der technologielastige Nasdaq 100 hatte zuletzt bereits Rekordniveau erreicht.

Für Anleger passt das ins Bild: Sinkende Renditen gelten als Treibstoff für Technologiewerte, der schwache Arbeitsmarkt wird deshalb eher als Hilfe denn als Belastung verbucht. Im Wochenverlauf hat die Micron-Aktie rund 2,5 Prozent zugelegt, vom Jahreshoch bei gut 1.100 Euro ist sie aber noch gut zehn Prozent entfernt. Die Stimmung schwankt damit zwischen Zuversicht über das Zahlenwerk und Abwarten, wie der Konflikt in Taiwan ausgeht.

Bn-Redaktion/sb
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