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Trumps Diesel-Drohung

Brent rutscht unter 100 Dollar 02.10.2026, 15:45 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Washington erhöht im Streit um Europas Diesel-Notreserven den Druck – ausgerechnet das verschafft dem Ölmarkt Luft. Die Nordseesorte Brent rutschte am Freitag unter die Marke von 100 Dollar je Barrel und kostete am Nachmittag umgerechnet 88,46 Euro, knapp 3 Prozent weniger als am Vortag. Zum Handelsstart hatte der Preis noch bei gut 102 Dollar gelegen. Von Anlegern wird die Entlastung allerdings mit Vorsicht aufgenommen.

USA fordern 120 Millionen Barrel Diesel

Berichten zufolge verlangt die US-Regierung von Deutschland und Frankreich, ihre strategischen Dieselvorräte anzuzapfen, um die weltweit gestiegenen Kraftstoffpreise zu dämpfen. Im Raum stehen 120 Millionen Barrel über die kommenden sechs Monate. Andernfalls droht ein Exportstopp für US-Diesel nach Europa. In Brüssel stieß die Drohung auf Kritik: Ein solcher Schritt würde die Verlässlichkeit Washingtons als Partner untergraben. Zugleich signalisierte die EU Bereitschaft, gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur über eine Freigabe von Reserven zu beraten.

Auf dem Tisch liegt bereits ein französischer Vorschlag: 50 Millionen Barrel Diesel sowie weitere 50 Millionen Barrel Rohöl aus Beständen der IEA-Mitglieder. Aus Anlegersicht ist genau diese Debatte der eigentliche Grund für den Rückgang am Freitagvormittag. Ob es dazu komme, müsse letztlich die IEA entscheiden, wird angemerkt – der Ton bleibt abwartend.

Durch Hormus fließt wieder deutlich mehr Öl

Rückenwind für fallende Preise kommt auch vom Persischen Golf. Nach Einschätzung der Rohstoffexperten von HSBC passieren derzeit rund 10 Millionen Barrel pro Tag die Straße von Hormus, Anfang September waren es erst etwa 6 Millionen. Inklusive Umgehungsrouten exportiert der Nahe Osten knapp 15 Millionen Barrel täglich – rund 64 Prozent des Niveaus vor dem Konflikt. Fracht, Logistik und lückenhafte Daten hielten den Preis dennoch hoch, so die Bank; dies stellt keine redaktionelle Einschätzung dar.

Auf Aktionärsseite richtet sich der Blick jedoch weniger auf die Tankerzahlen als auf die militärische Lage. Die USA verlegen Medienberichten zufolge einen dritten Flugzeugträger in die Region – ein Signal, das als Warnzeichen gelesen wird.

Aber ein weiterer Flugzeugträger fährt Richtung Iran. Das bedeutet nichts Gutes

Dem steht eine nüchternere Lesart gegenüber: Der Verband treffe nach eigenen Angaben womöglich noch im Oktober, eher aber erst Ende November ein, und es könne sich auch um einen Austausch handeln, damit ein anderer Träger zurück nach Japan verlegen könne. Angekündigte Bewegungen hätten ohnehin oft wenig Aussagekraft. Die Stimmung zu diesem Punkt bleibt damit gespalten zwischen Eskalationssorge und Gelassenheit.

Diesel und WTI geben noch stärker nach

Noch deutlicher als Brent verbilligten sich die Produkte, um die sich der Streit dreht. Diesel verlor gut 4,4 Prozent, die US-Sorte WTI gab 4,2 Prozent auf rund 89,40 Dollar nach. An den Zapfsäulen in der EU kostete Diesel zuletzt im Schnitt 2,24 Euro je Liter, ein Rekordwert. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern könnte eine Freigabe die Preise kurzfristig um 10 bis 15 Cent je Liter senken – dauerhaft dürfte aber erst eine Lösung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran entlasten.

Unter Anlegern überwiegt die Erwartung weiter nachgebender Preise: Mehrere verweisen darauf, dass die Gewinne des Vortags bereits wieder verschwunden seien und die Faktenlage seit Längerem eher für niedrigere Notierungen spreche. Gemessen an der Tragweite der Nachrichten falle der Rückgang sogar moderat aus – bei vergleichbaren Meldungen sei der Ölpreis früher deutlich stärker eingebrochen. Die vorläufige Entspannung wird dabei teils nur als Zwischenphase gesehen, nach der es wieder kräftig aufwärtsgehen könne. Die Anleger-Stimmung pendelt damit zwischen Ungeduld und dem Gefühl, dass der Ölmarkt seine letzte Wende noch nicht genommen hat.

Bn-Redaktion/sb
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