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Vergesellschaftung

Vonovia gibt trotz Kieler Studie nach 30.09.2026, 12:12 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Vonovia verliert zur Mittagszeit rund ein Prozent auf 17,32 Euro. Nach einem Start bei 17,48 Euro und einem Tageshoch von 17,61 Euro rutschte der Wohnungskonzern wieder ab – obwohl eine neue Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft den Berliner Vergesellschaftungsplänen ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Aus Anlegersicht ist das politische Risiko damit keineswegs vom Tisch.

Kieler Ökonomen rechnen gegen die Enteignung

Die am Dienstag vorgelegte Analyse beziffert den Verkehrswert der betroffenen Berliner Wohnungsbestände auf rund 40,2 Milliarden Euro. Die angestrebte Entschädigung von etwa 20,1 Milliarden Euro entspräche damit nur der Hälfte. Mit derselben Summe ließen sich den Modellrechnungen zufolge bis 2045 bis zu 71.000 neue Wohnungen bauen, was die Mieten um bis zu 8,7 Prozent unter die sonst erwartete Entwicklung drücken könnte. Eine Vergesellschaftung schaffe dagegen keine zusätzliche Wohnung und verschärfe die Knappheit eher, lautet das Fazit der Forscher.

Auf Aktionärsseite richtet sich der Blick vor allem auf die Entschädigungsfrage. Gerade die Lücke zwischen Marktwert und angebotener Summe gilt als Einfallstor für juristische Auseinandersetzungen:

Selbst bei der Entschädigungssumme von 20 Milliarden wird es Klagen hageln. Das wird Rechtlich nie so zu machen sein.

Ganz so gelassen fällt die Bewertung allerdings nicht überall aus. Dem Vertrauen auf die Gerichte wird entgegengehalten, dass sich mit anderen politischen Mehrheiten im Bund auch der rechtliche Rahmen verschieben könne. Die Stimmung zu diesem Punkt bleibt damit zwiespältig: juristische Zuversicht auf der einen, grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Politik auf der anderen Seite.

Regierungsbildung in Berlin bleibt Taktgeber

Hintergrund der Debatte ist der Wahlsieg der Linken bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Die Partei hält an der Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände fest und hat SPD und Grünen Gespräche über ein gemeinsames Bündnis angeboten. Bei den möglichen Partnern stößt die Forderung allerdings auf Skepsis. Rechnerisch wäre auch eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen möglich, wenn auch nur mit knapper Mehrheit.

Unter Aktionären gilt deshalb weniger die Studie als vielmehr der Fortgang der Gespräche als entscheidend für den Kurs. Erst wenn die Pläne einer künftigen Landesregierung konkret würden, drohe ein deutlicherer Rücksetzer, so eine pessimistische Lesart – bis dahin stütze vor allem die Dividende das Interesse an der Aktie. Befürchtet wird zudem, dass das Papier bei neuen Nachrichten aus Berlin rasch wieder Richtung 17 Euro zurückfallen könnte. Der Ton zu diesem Sachpunkt ist abwartend bis nervös.

Charthürde bei 17,50 Euro hält

Im Jahresvergleich hat die Aktie rund 35 Prozent eingebüßt, vor einem Jahr notierte sie noch bei gut 26,70 Euro. In den vergangenen Tagen war sie bis auf knapp 17 Euro gefallen und hatte sich seither leicht erholt. Am Mittwoch reichte der Schwung aber erneut nicht nachhaltig über die Marke von 17,50 Euro hinaus.

Charttechnisch orientierte Anleger sehen den Abwärtstrend seit Anfang August zwar gebrochen, verweisen aber auf genau diese Linie als hartnäckigen Widerstand, der erst dauerhaft überwunden werden müsse. Als Rückenwind gelten fallende Anleiherenditen, die Immobilienwerte grundsätzlich entlasten könnten. Der Einwand: Der Ölpreis ziehe bereits wieder an, was die Hoffnung auf sinkende Zinsen dämpfe. Im Vergleich mit anderen Immobilienwerten halte sich die Aktie auf lange Sicht zudem nicht schlecht, wird der Kritik am schwachen Kursniveau entgegnet. Die Anleger-Stimmung pendelt damit zwischen Erholungshoffnung und der Sorge vor dem nächsten politischen Rückschlag.

Unabhängig davon meldete Vonovia eine neue Gesamtzahl von rund 848,5 Millionen Stimmrechten. Die Veränderung geht auf die Ausgabe von Bezugsaktien zum Ende September zurück.

Bn-Redaktion/sb
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