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Zinswoche

DAX erobert die 100-Tage-Linie zurück 27.10.2026, 15:49 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Zinswoche: DAX erobert die 100-Tage-Linie zurück
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Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Der DAX hat am Dienstagnachmittag seine 100-Tage-Linie hinter sich gelassen, an der er zum Wochenstart noch gescheitert war. Nach einem verhaltenen Vormittag mit leichten Verlusten legte der deutsche Leitindex zuletzt um gut 0,7 Prozent auf rund 25.560 Punkte zu. Und das, obwohl die eigentlichen Prüfsteine der Woche erst noch kommen: Zinsentscheide in den USA, der Eurozone und Japan sowie die Quartalszahlen der großen US-Technologiekonzerne.

Die 100-Tage-Linie fällt im zweiten Anlauf

Am Morgen deutete wenig auf einen Ausbruch hin. Nach dem Start rutschte der Index leicht ab und markierte bei rund 25.315 Punkten sein Tagestief. Erst im Verlauf drehte er nach oben und überwand die 100-Tage-Durchschnittslinie, die bei etwa 25.455 Punkten verläuft und als Barometer für den längerfristigen Trend gilt. Am Montag war er dort trotz eines zwischenzeitlichen Sprungs über 25.500 Punkte noch abgeprallt, am Dienstag reichte es zeitweise bis knapp 25.600 Punkte.

Aus Anlegersicht war der Weg dorthin zäh. Über weite Strecken des Vormittags fehlten Richtung und Impulse – mehrere Anleger beschrieben den Index als unentschlossen und sprunghaft und erwarteten erst vom Handelsstart in New York eine klarere Tendenz. Charttechnisch orientierte Anleger verorten den DAX zudem weiterhin in einer seit Wochen andauernden Handelsspanne von rund 1.000 Punkten, deren Obergrenze knapp unter 25.800 Punkten gesehen wird. Trotz des Kursgewinns bleibt der Ton damit abwartend.

Fed, EZB und Big Tech binnen drei Tagen

Dass sich die Käufer bis zum Mittag zurückhielten, hat mit dem dicht gedrängten Kalender zu tun. Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über den Leitzins, am Donnerstag folgt die EZB, am Freitag die Bank of Japan. Dazwischen legen Microsoft und Alphabet am Mittwoch sowie Amazon am Donnerstag ihre Zahlen vor – sie gelten als Gradmesser dafür, ob der KI-Boom die hohen Erwartungen weiter trägt. Von der Fed wird an den Märkten überwiegend eine Zinspause erwartet, diskutiert wird eher, ob die Notenbank in den kommenden Monaten sogar über eine Anhebung nachdenken könnte. Der Nasdaq 100 setzt seine Erholung vom tiefsten Stand seit Mitte September unterdessen fort und liegt rund 0,6 Prozent im Plus.

Auf Aktionärsseite gilt die Zinsfrage als der eigentliche Knackpunkt. Offen ist vor allem, ob die Fed am Mittwoch eher straff argumentiert. Den Unternehmenszahlen wird dabei weniger misstraut als den Anleiherenditen:

Wieso genau muss ein Absturz kommen? Verfolgst du die Earnings? Die waren ganz gut. Problem sind natürlich die Yields, die sind sehr hoch.

Die Gegenposition hält einen deutlichen Rücksetzer bis weit unter 25.000 Punkte in den kommenden Wochen für möglich, weil der Markt nur künstlich gestützt werde. Mehrere Anleger weisen ein solches Szenario allerdings als überzogen zurück – dafür müsse schon einiges passieren.

Zinssorgen bleiben der Prüfstein für die Erholung

Zusätzlichen Rückenwind bekam der Index von der Hoffnung auf diplomatische Fortschritte im Krieg zwischen den USA und dem Iran. Unter Anlegern wird dieser Schub allerdings skeptisch gesehen: Aus Teheran seien lediglich bekannte Forderungen bekräftigt worden, auf die vor allem Handelsalgorithmen reagiert hätten – viel mehr als heiße Luft stecke nicht dahinter, lautet der Einwand. Auch der Ölpreis bleibt ein Unsicherheitsfaktor: Die Nordseesorte Brent verteuerte sich zuletzt um knapp 3 Prozent auf rund 110 Dollar je Barrel, umgerechnet etwa 98 Euro. Über die Inflationserwartungen könnte das ausgerechnet jene Zinsfrage verschärfen, an der die Woche hängt.

Optimisten setzen dagegen auf den Kalender: Zum Monatsultimo flössen frische Sparplan-Gelder in den Markt, und große Fonds hätten zum Jahresende ein Interesse an freundlichen Kursen. Ob die zurückeroberte 100-Tage-Linie hält, dürfte sich allerdings erst nach dem Fed-Entscheid am Mittwochabend zeigen. Die Stimmung schwankt damit zwischen vorsichtiger Zuversicht und der Sorge, die Erholung könnte sich als Strohfeuer erweisen.

Bn-Redaktion/sb
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