Diese Woche geht es an der Wall Street richtig zur Sache. Viele große Adressen liefern ihre Zahlen. Die Bilanzen dürften bestimmen, ob die US-Märkte wieder in Schwung kommen. Diese Termine sind jetzt wichtig!

Für Jamie Dimon, Chef der größten US-Bank JPMorgan, steht so gut wie fest: Die USA werden im ersten Halbjahr in eine Rezession abdriften. Wie schlimm es werden wird, da ist sich Dimon noch nicht sicher. Er nutzt aber jede Chance, um den warnenden Zeigefinger zu heben: "Die Gewitterwolken, die wir seit einem Jahr beobachten, bleiben am Horizont, und die Turbulenzen im Bankensektor tragen zu diesen Risiken bei", so Dimon bei der Verkündung der eigenen Quartalszahlen.

Wie stark wird das Unwetter?

Wie groß die Gewitterwolken sind, die Jamie Dimon heraufbeschwört, könnte sich schon in dieser Woche zeigen. Von Montag bis Freitag scheppert es richtig an der Wall Street. Viele große Adressen öffnen ihre Bücher. Besonders die Ausblicke dürften Aufschluss darüber geben, wie die US-Konzerne die Lage sehen und wie sie damit zurechtkommen. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, haben wir die wichtigsten Termine dieser Woche zusammengefasst.

Montag, 24.04.23

Schon vor dem US-Börsenstart dürfte nicht nur Warren Buffett die Ohren spitzen. Seine viertgrößte Beteiligung, Coca-Cola, liefert Zahlen. Seit Jahresanfang konnte die Aktie nur leicht zulegen. Allerdings ist der Kurs zuletzt ordentlich in Schwung gekommen und hat innerhalb von vier Wochen rund sechs Prozent zugelegt. Die Anleger scheinen auf gute Quartalszahlen zu hoffen.

Besonders für Anleger, die mit einer stärkeren Rezession rechnen, könnte das Papier von Coca-Cola in den kommenden Wochen ein Fels in der Brandung sein. Die Softdrinks des US-Konzerns dürften sich weiterhin einer großen Beliebtheit erfreuen. Daher könnte eine Rezession Coca-Cola nicht so schwer erwischen.

Bei den Analysten ist das Papier ebenfalls sehr beliebt. Laut der Übersicht von CNBC ist die Aktie für fünf Experten ein "Strong Buy", 15 Analysten raten zu "Buy" und sieben plädieren für "Hold". Kein Experte stuft die Aktie auf "Sell" oder "Underperform". Sollten die Zahlen von Coca-Cola passen, dann könnte die Aktie ihr Allzeithoch bei 67,20 US-Dollar angreifen und auch die Marke von 70 US-Dollar. Zudem gibt es bei Coca-Cola eine Dividendenrendite von fast drei Prozent. Eben eine Aktie ganz nach dem Geschmack von Warren Buffett.

Nach US-Börsenschluss gibt es die Zahlen der First Republic Bank. Der Zusammenbruch der Silicon Valley- und Signature-Bank haben dem Bankhaus ordentlich Sorgen bereitet. Daher könnten die Zahlen kurzfristig für Nervosität unter den Anlegern sorgen. Allerdings haben die meisten großen Banken schon unter Beweis gestellt, dass sie hervorragend ins neue Jahr gestartet sind und von den gestiegenen Zinsen gut profitieren. Daher dürften sich die Sorgen in Grenzen halten.

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Dienstag, 25.04.23
 
Nach einem gelassenen Start in die Woche steigt die Spannung am Dienstag. Bereits vor Börsenstart sind die Schwergewichte Verizon, UPS, Halliburton, General Motors, General Electric, Pepsico, Spotify und Raytheon an der Reihe.

Besonders die Zahlen von UPS dürften bei Anlegern und Experten unter Beobachtung stehen. Sollte der Logistik-Konzern enttäuschen und einen schlechten Ausblick liefern, dann könnten die Rezessionsängste wieder steigen. Die Experten rechnen allerdings nicht damit, dass UPS mit den Zahlen kräftig daneben liegen wird.

Anleger, die Öl-Aktien im Depot haben sollten Dienstag vor US-Börsenstart einen Blick auf das Zahlenwerk von Halliburton werfen. Der Ausblick des Ölfeldausrüsters könnte einen Vorgeschmack auf das Zahlenwerk von Exxon Mobil und Chevron liefern. Beide Ölmultis sind Freitag vor US-Börsenstart an der Reihe.

Die Halliburton Aktie ist in diesem Jahr noch nicht in Schwung gekommen. Sollte das Zahlenwerk passen, könnte sich hier durchaus eine Chance ergeben.

Der Dienstagabend steht dann ganz im Zeichen von Microsoft und Alphabet. Die beiden Tech-Giganten dürften wesentlichen Einfluss darauf haben, wie sich die US-Märkte in dieser Woche entwickeln. Enttäuschen beide Schwergewichte, dann dürfte die Stimmung an der Nasdaq nicht sehr gut sein.

Neben der Nvidia-Aktie, die sich in diesem Jahr schon fast verdoppelt hat, zählen Alphabet und Microsoft zu den größten Gewinnern des gestarteten KI-Hypes. Beide Papiere haben seit Jahresanfang rund 20 Prozent zugelegt. Der Kurstreiber KI täuscht allerdings etwas darüber hinweg, dass beide Tech-Giganten so ihre Problemchen haben.

Anfang des Jahres hatte Microsoft bekanntgegeben, dass 10.000 Stellen abgebaut würden. Nur wenig später verkündete Alphabet, dass 12.000 Stellen im Konzern gestrichen würden. Während Microsoft Dienstagabend über den Verlauf seines dritten Quartals berichtet, legt Alphabet seine Zahlen für das erste Viertel des Jahres vor.

Im Vorfeld lassen sich keine großen Sorgen erkennen. Anleger, die den guten Jahresstart bei beiden Werten mitgemacht haben, sollten dabeibleiben. Alle anderen sollten nach den Bilanzen entscheiden, ob sie auf den KI-Hype bei Microsoft und Alphabet aufspringen möchten.

Visa, Texas Instrument, Enphase und Chipotle Mexican Grill liefern ebenfalls Dienstag nach Börsenschluss ihre Zahlen und sind einen Blick wert.

Mittwoch, 26.04.23

Mittwoch vor Börsenstart in den USA wird es wieder etwas ruhiger. Vor Börsenstart sind Boeing, Hilton und Thermo Fischer die spannendsten Werte, die ihre Quartalsberichte präsentieren.

Mitte des Monats hatte der amerikanische Flugzeugbauer über erneute Qualitätsprobleme berichtet, was der Boeing-Aktie nicht besonders gut bekam. Die Zahlen dürften daher auch nicht gerade das Gelbe vom Ei sein. Allerdings könnte sich nach den Quartalszahlen eine Chance ergeben. Anleger sollten die Boeing-Zahlen im Kalender haben.

Der Mittwochabend gehört mit Meta und ServiceNow wieder zwei gestanden US-Konzernen. Besonders die Zuckerberg-Aktie konnte bislang strahlen. Fast 80 Prozent hat das Papier seit Jahresanfang zugelegt. Besonders der Ausblick von Meta dürfte Experten und Anleger interessieren. Die Bereitschaft für Werbung in die Tasche zu greifen, ist nicht nur für den Facebook-Konzern von großer Bedeutung, sie dürfte auch die konjunkturellen Erwartungen der Werbekunden widerspiegeln. Sind sie nicht bereit, weiter in Werbung zu investieren, dann könnte das für eine Rezession sprechen.

Zudem dürfte Mittwochabend Cathie Wood zwei ihrer Schwergewichte im Ark Innovation ETF die Daumen drücken. Nachdem Tesla gepatzt hat, sind Roku und Teladoc Health dran. Auf den Gesamtmarkt haben die Zahlen sicherlich keine große Auswirkung. Anleger, die beim Innovations ETF von Cathie Wood investiert sind, sollten den Zahlen trotzdem ein wenig Aufmerksamkeit schenken.

Donnerstag, 26.04.23

Donnerstag geht es schon vor US-Börsenstart heiß her. Hier stehen die US-amerikanischen Fluglinien American Airlines und Southwest auf dem Zettel. Dazu liefern noch Caterpillar, Eli Lilly, Mastercard, Crocs, Abbvie und Merck (US) ihre Bilanzen.

Von den drei Pharmawerten ist bislang nur der Kurs von Eli Lilly in Schwung gekommen. Vielleicht ändern die Zahlen ja etwas daran. Die Bilanzen von Merck (US) und Abbvie sollten nicht links liegengelassen werden.  

Interessant dürfte auch sein, ob der Hersteller von bunten Plastikschuhen seinen guten Lauf fortsetzen kann. Bereits Mitte Februar hatte Crocs den Ausblick auf das laufende Jahr etwas nach oben angepasst. Sollte das erste Quartal noch etwas besser gelaufen sein, dann könnte die Aktie ihren Höhenflug noch lange nicht beendet haben.

Star des Abends ist dann Amazon. Zusammen mit Intel, Snap, Cloudflare, First Solar, Pinterest und den beiden Pharmakonzernen Gilead und Amgen wird der Tech-Gigant berichten. Besonders der Ausblick auf das zweite Quartal von Amazon dürfte viel Aufmerksamkeit erhalten. Das Kaufverhalten der Kunden des Internet-Kaufhauses dürfte sicherlich Aufschlüsse über eine drohende Rezession und ihre Stärke geben.

Freitag, 27.04.23

Vor US-Börsenstart sind am Freitag dann die beiden Ölmultis Exxon Mobil und Chevron an der Reihe. Beide Aktien liegen ganz passabel seit Jahresanfang im Rennen. Der Ölpreis deckelt die Kurse der beiden Ölmulties etwas. Trotzdem sind nicht nur Dividendenjäger gut beraten, wenn sie einen der beiden Titel im Depot haben. Vor den Zahlen besteht allerdings kein Handlungsbedarf. Erst nach ihrer Veröffentlichung könnte sich eine Chance ergeben.

Der Konsumgüterproduzent Colgate-Palmolive liefert am Freitag ebenfalls Zahlen. Der Ausblick auf die Umsatzstärke von Marken wie Colgate, Elmex, Palmolive oder Ajax dürfte zeigen, dass Haushalts- und Körperpflegemittel auch in einer drohenden Rezession nachgefragt werden. Daher sollten Anleger sich die Zahlen von Colgate-Palmolive am Freitag genau anschauen.

Nachdem dieses Zahlengewitter über die Wall Street gezogen ist, dürfte der Blick in die Zukunft schon etwas klarer sein. Selbst wenn sich eine Rezession andeuten sollte, dann können in dieser Woche einige Werte herausgefiltert werden, die sie gut überstehen könnten. Damit dürften die dunklen Wolken über dem eigenen Depot nicht ganz so groß sein, wie Jamie Dimon annimmt.

Markus Weingran, wallstreet:online Zentralredaktion


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