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36 Milliarden Euro

DIW zerpflückt Enteignungspläne gegen Vonovia 06.10.2026, 14:28 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Bis zu 36 Milliarden Euro Entschädigung stehen im Raum, sollte Berlin große Wohnungskonzerne vergesellschaften. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt in einer neuen Studie zu dem Schluss, dass das Vorhaben der Linken die Wohnungsnot nicht lindern, den Landeshaushalt aber erheblich belasten könnte. Die Aktie von Vonovia, dem größten privaten Vermieter der Hauptstadt, notiert am Nachmittag rund 0,5 Prozent höher bei 17,06 Euro. Aus Aktionärssicht gilt ohnehin die Entschädigung als Schwachstelle der Pläne.

Niedrige Entschädigung droht in Karlsruhe zu scheitern

Die Linke war bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden und sondiert derzeit mit SPD und Grünen. Im Zentrum steht der Volksentscheid von 2021, der die Vergesellschaftung von Unternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen fordert. Der Knackpunkt ist laut DIW die Entschädigung: Die Schätzungen reichen von 8 bis 36 Milliarden Euro für bis zu 240.000 Wohnungen. Fiele sie sehr niedrig aus, wäre ein Scheitern vor dem Bundesverfassungsgericht wahrscheinlich. Bei hohen Summen müsste das Land die nötigen Kredite mit Hunderten Millionen Euro pro Jahr aus dem Haushalt stützen. Beim heutigen Mietniveau von rund acht Euro je Quadratmeter trage sich nur eine Entschädigung bis 13,5 Milliarden Euro – senkt das Land die Mieten wie geplant, steigt der Zuschuss.

Auf Aktionärsseite fällt genau dieser Punkt ins Gewicht. Juristisch müsse sich die Entschädigung am Verkehrswert orientieren, lautet die Argumentation. Überraschend wäre es zudem, wenn die SPD eine Vergesellschaftung überhaupt mittrüge.

Die Frage ist nur die Entschädigungshöhe und nach meiner Lesart Art 14 III GG / §95 I Baugesetzbuch ist die Entschädigung verkehrswertnah. Und damit hätte sich das Thema eigentlich erledigt.

Bleiben würde dann allenfalls ein jahrelanger Rechtsstreit. Ganz so gelassen sieht es nicht jeder: Sobald eine linksgeführte Regierung stehe und die Pläne konkret würden, sei mit einem Rücksetzer der Aktie zu rechnen, heißt es auf der Gegenseite. Zusätzlich hatte Bundeskanzler Friedrich Merz ein Bundesgesetz angekündigt, das großflächige Vergesellschaftungen verhindern soll. Die Stimmung zu dem Thema bleibt damit gespalten.

Zinsen wiegen schwerer als die Berliner Politik

Neuen Wohnraum schaffe die Vergesellschaftung nicht, schreibt das DIW. Der Neubau dürfte sogar sinken, weil private Unternehmen gut 40 Prozent der neuen Wohnungen errichten. Stattdessen empfiehlt das Institut, Büros in Wohnungen umzuwandeln, Baustandards zu vereinfachen und ausgewiesene Flächen zu bebauen. Für die Vonovia-Aktie ist das politische Risiko jedoch nur ein Faktor: Binnen eines Jahres hat sie gut ein Drittel an Wert verloren, das Jahrestief liegt bei 16,61 Euro.

Aus Anlegersicht liegt der Hauptgrund dafür woanders. Mehrere Aktionäre machen die Zinsen für den Großteil des Kursrückgangs verantwortlich; das Enteignungsrisiko wird eher als Nebenschauplatz gesehen. Entsprechend genau werden die Anleiherenditen verfolgt, die nach schwachen Auftragsdaten der Industrie zuletzt nachgaben – auch bei den Bauzinsen wird ein Rückgang registriert. Dem steht der Einwand gegenüber, die Probleme des Konzerns seien strukturell und ließen sich nicht allein mit Zinsen erklären. Der Ton bleibt vorsichtig hoffnungsvoll, zumal die Entspannung am Anleihemarkt als zu zaghaft empfunden wird.

Deutsche Wohnen zieht leicht mit

Auch die Vonovia-Tochter Deutsche Wohnen, die in Berlin ebenfalls zu den großen Vermietern zählt, legt um rund 0,9 Prozent auf 15,84 Euro zu. Vonovia hatte im Tagesverlauf zwischenzeitlich bei 16,92 Euro notiert, bevor die Aktie wieder über 17 Euro stieg. Charttechnisch orientierte Anleger werten es als gutes Zeichen, dass der Kurs rechtzeitig gedreht habe; nun komme es darauf an, Abstand zum Tief aufzubauen. Ob damit bereits ein Boden gefunden ist, bleibt offen – entscheiden werde das allein der Markt, Tag für Tag. Die Anleger-Stimmung pendelt damit zwischen leiser Zuversicht und Abwarten.

Bn-Redaktion/sb
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