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Aufrüstung im Orbit

Rheinmetall baut Radarsatelliten in Serie 06.10.2026, 09:18 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Rheinmetall stellt ab sofort Satelliten in Serie her. Im Werk Neuss ist nach Planung und Aufbau die industrielle Fertigung von Radarsatelliten angelaufen, die der Konzern gemeinsam mit dem finnischen Betreiber Iceye baut – rund 50 Stück pro Jahr sollen es werden. An der Börse löst der Schritt zunächst wenig aus: Die Aktie notiert bei 976,75 Euro rund 0,7 Prozent im Minus. Unter Aktionären geht es weniger um den Orbit als um die Frage, ob neue Geschäftsfelder die Sorgen um das klassische Panzergeschäft aufwiegen können.

50 Radaraugen pro Jahr für die Nato-Ostflanke

Die sogenannte Synthetic-Aperture-Radar-Technologie liefert auch nachts und bei schlechtem Wetter präzise Aufnahmen von Truppenbewegungen und Stellungen. Die Bilder werden an die Bundeswehr und andere Armeen verkauft; mit der Bundeswehr besteht bereits ein mehrjähriger Vertrag über 1,7 Milliarden Euro. Neu ist, dass sich die Truppe einen exklusiven Zugriff auf eine nicht genannte Zahl von Satelliten gesichert hat, um möglichst schnell an Aufnahmen zu kommen. Gedacht sind sie vor allem für ein genaues Lagebild an der Nato-Ostflanke – auch zur Unterstützung der Bundeswehr-Brigade in Litauen. Der erste Satellit aus Neuss soll Anfang 2027 mit einer Rakete von SpaceX ins All starten.

Aus Anlegersicht fügt sich das in die Linie, die der Konzern zuletzt selbst gezogen hat: In aktuellen Unterlagen für Analysten und Investoren nenne Rheinmetall neben Raketen und mehrschichtiger Luftverteidigung ausdrücklich die Raumfahrt als Wachstumsfeld. Das Unternehmen kommuniziere seine Pläne ziemlich klar, lautet die zustimmende Lesart. Die Reaktionen auf den Ausbau des Portfolios fallen damit wohlwollend aus. Im Satellitengeschäft trifft Rheinmetall auf etablierte Konkurrenz: Airbus legt mit seiner Sparte Defence and Space 0,8 Prozent auf 191,12 Euro zu, während der Bremer Raumfahrtspezialist OHB 0,9 Prozent auf 171 Euro verliert.

Drohnenkrieg setzt den Panzerbauer unter Druck

Der neue Geschäftszweig kommt zu einer Zeit, in der die Aktie ein enttäuschendes Börsenjahr hinter sich hat. Nach drei Quartalen stand ein Minus von fast 40 Prozent. Belastet hat vor allem die Sorge, dass landgestützte Kampfsysteme durch eine zunehmend drohnenbasierte Kriegsführung an Bedeutung verlieren. Unter Analysten gilt inzwischen Hensoldt als Favorit der Branche; der Rüstungselektronik-Spezialist hat im Wochenverlauf deutlich zugelegt, gibt nach vorbörslichen Gewinnen am Dienstag aber rund 1,6 Prozent auf 82,81 Euro nach. Rheinmetall versucht gegenzusteuern und verkauft neben Artillerie, Panzern und Munition inzwischen auch Schiffe und Flugzeugbauteile, das Drohnengeschäft wird ausgebaut.

Auf Aktionärsseite wird die These vom Bedeutungsverlust schwerer Kampfsysteme durchaus geteilt – Panzer seien schlicht nicht mehr gefragt, heißt es knapp. Bezweifelt wird zudem, dass angekündigte Großprojekte tatsächlich wie geplant kommen – der Aktienkurs spreche für sich.

Ja nur wenn das so kommt, alles so fragwürdig.

Auf der zuversichtlichen Seite wird dagegen darauf verwiesen, dass bis zum Jahresende weitere Großaufträge erwartet würden, die auch den Mittelzufluss stärken könnten. Die Stimmung bleibt in diesem Punkt gespalten: Zuversicht beim Auftragsbestand trifft auf Misstrauen gegenüber dem Zeitplan.

Kursdelle zum Handelsstart wird zur Routine

Kurzfristig hat sich die Aktie zuletzt gefangen. Im Wochenverlauf rutschte sie bis auf 940,40 Euro, notiert inzwischen aber wieder höher als vor einer Woche. Am Dienstag eröffnete sie bei 984,80 Euro, fiel im frühen Handel bis auf 970,55 Euro und hat sich seither wieder etwas erholt. Vom Hoch der vergangenen zwölf Monate bei 1.965 Euro ist sie allerdings noch weit entfernt.

Gelassen wird die frühe Schwäche aus Anlegersicht aufgenommen: Der Rücksetzer kurz nach Handelsbeginn wiederhole sich fast täglich, man habe sich daran gewöhnt. Von einem kurzen Abverkauf, der kaum der Rede wert sei, ist ebenfalls die Rede. Als nächster greifbarer Meilenstein für das Satellitengeschäft dürfte der erste Start Anfang 2027 gelten – bis dahin bleibt die Aktie vor allem ein Spiegel der Debatte um die Zukunft der Landsysteme.

Bn-Redaktion/sb
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