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Berliner Koalitionspoker

Vonovia kippt ins Minus nahe Jahrestief 12.10.2026, 10:16 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Der Erholungsversuch hat bei Vonovia nur bis zum Vormittag gehalten. Am Morgen lag die Aktie zeitweise noch leicht im Plus, inzwischen notiert sie rund 0,4 Prozent tiefer bei 16,27 Euro – nur wenige Cent über dem Wochentief von 16,21 Euro, dem niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Im Hintergrund steht die Regierungsbildung in Berlin: Noch in dieser Woche könnte sich entscheiden, ob Linke, Grüne und SPD Koalitionsverhandlungen aufnehmen – und die Linke knüpft ein Bündnis an die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Unter Aktionären ist die Stimmung entsprechend angespannt.

Linke macht Vergesellschaftung zur Bedingung

Seit ihrem klaren Sieg bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September sondiert die Berliner Linke mit Grünen und SPD über ein Bündnis unter Führung ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp. Die Partei hat die Umsetzung des Volksentscheids von 2021 zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände zur Bedingung für eine Koalition gemacht. Die SPD lehnt das ab, Landeschef Steffen Krach verlangt zudem klare Zusagen zur inneren Sicherheit. Ob Koalitionsverhandlungen beginnen, soll im Idealfall bis Freitag feststehen. Zusätzlich verschärft Linken-Bundeschef Luigi Pantisano den Ton: Er fordert ein Verbot von Zwangsräumungen, wenn Mietern danach die Obdachlosigkeit droht.

Aus Anlegersicht bestimmt die Enteignungsdebatte den Kurs weiterhin. Die Hoffnung ruht darauf, dass die SPD am Ende abspringt – zumal sich altgediente Sozialdemokraten gegen das Bündnis stellten, die Parteilinke aber den Ton angebe. Nach den Gesprächen vom Wochenende war vorbörslich mit mehr Rückenwind gerechnet worden. Solange in Berlin keine Klarheit herrscht, bleibt der Ton abwartend.

Goldman und Oddo kappen Kursziele

Auch von Analystenseite kommt wenig Unterstützung. Goldman Sachs senkte das Kursziel für Vonovia von 21,20 auf 18,40 Euro und bestätigte die Einstufung „Neutral“. ODDO BHF nahm das Ziel von 25 auf 23 Euro zurück, blieb aber bei „Outperform“. Beide Ziele liegen weiterhin über dem aktuellen Kurs – es handelt sich um externe Einschätzungen, nicht um redaktionelle Empfehlungen.

Auf Aktionärsseite werden die Kürzungen als weiteres Zeichen gelesen, dass das Misstrauen groß bleibt. Leerverkäufer behielten die Kontrolle, das Momentum zeige weiter nach unten, heißt es. Dem steht die Überlegung gegenüber, nach dem langen Abwärtslauf ohne nennenswerte Gegenbewegung sei die Feder inzwischen stark gespannt – eine Erwartung, die sich im heutigen Handel bislang nicht erfüllt. Die Stimmung pendelt damit zwischen Resignation und der leisen Hoffnung auf eine technische Erholung.

Streit um den Wert der Wohnungen

Wie tief die Skepsis sitzt, zeigt der Jahresvergleich: Vor zwölf Monaten kostete die Aktie noch mehr als 27 Euro, seither hat sie rund 40 Prozent verloren. Der Druck trifft die ganze Branche – auch LEG Immobilien gibt heute rund 0,5 Prozent auf 44,57 Euro nach und liegt gut ein Drittel unter dem Niveau des Vorjahres.

Unter Anlegern wird deshalb grundsätzlich über den Wert der Immobilienbestände gestritten. Kurs-Optimisten verweisen auf die anhaltende Inflation, die sich bislang nicht im Kurs niederschlage, und auf stabile Preise am Transaktionsmarkt:

Nach meinen Beobachtungen fallen die Preise bei Transaktionen im Immobilienhandel bereits länger nicht mehr. […] Warum sollten sie auch bei weiteren Inflationsgeschehen und hoher Nachfrage.

Skeptiker halten dagegen, die Preise dürften zeitverzögert nachgeben, sobald Käufern die Liquidität ausgeht. Zudem könne das Angebot noch deutlich wachsen, weil zahlreiche unsanierte Wohnungen aus den 70er- und 80er-Jahren auf den Markt drängten, deren Renovierung niemand schultern wolle. Die Erwartungen an den Sektor seien womöglich insgesamt zu hoch. Die Debatte bleibt damit gespalten – mit leichtem Übergewicht der Vorsicht.

Bn-Redaktion/sb
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