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Chips zur Miete

Nvidia erklimmt trotz Blasenwarnung Jahreshoch 02.10.2026, 14:58 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Amazon will Tausende Nvidia-Chips verkaufen – und sie danach zurückmieten. An der Börse bremst die Debatte um solche Finanzierungsmodelle den Chipkonzern bislang nicht: Die Nvidia-Aktie legt am Freitagnachmittag um fast 2 Prozent auf gut 209 Euro zu und markierte im Tagesverlauf mit knapp 210 Euro ihr Jahreshoch. Und das, obwohl der bekannte Investor Michael Burry den KI-Boom zuletzt mit der Computer-Leasingblase der 1960er-Jahre verglichen hat. Unter Aktionären überwiegt dennoch die Zuversicht.

Grace-Blackwell-Chips wandern in eine eigene Gesellschaft

Konkret geht es um Nvidia-Chips im Wert von rund 8 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 7,1 Milliarden Euro. Die Grace-Blackwell-Prozessoren sind in mehr als einem Dutzend US-Rechenzentren installiert und sollen in eine eigens gegründete Gesellschaft ausgelagert werden, die externe Investoren finanzieren. Amazon könnte die teure Hardware so weiter nutzen, ohne sie vollständig in der eigenen Bilanz zu führen – das schont auch die Kreditkennzahlen in einer Phase rekordhoher Investitionen. Die Amazon-Aktie gewinnt rund 1,2 Prozent auf 223,50 Euro.

Es ist nicht die einzige ungewöhnliche Konstruktion: Ein Bankenkonsortium um Broadcom beginnt, 60 Milliarden Dollar für KI-Chips einzusammeln, von denen unter anderem Anthropic profitieren soll. Weil Broadcom seinem Kunden zugleich Milliarden leiht, sprechen Kritiker von einem Kreislauf. Aus Anlegersicht wird die verstärkte Warnung von Burry vor allem als Reaktion auf den steilen Anstieg gelesen – nach dem Motto: Je höher der Kurs, desto lauter die Mahner. Rücksetzer gehörten zum gewohnten Sägezahnmuster der Aktie, heißt es gelassen.

Schwache Jobdaten stützen den Tech-Sektor

Rückenwind kommt vom Umfeld: Der Ölpreis gibt nach, am Nachmittag fielen die US-Arbeitsmarktdaten schwach aus, und der Technologiesektor steuert auf neue Jahreshochs zu. Auf Wochensicht hat Nvidia damit gut 6 Prozent gewonnen. Unter Anlegern wird der Zusammenhang direkt gezogen: Schwächere Konjunkturdaten drückten die Renditen, und davon profitierten gerade die hoch bewerteten Technologiewerte.

Wieso? Sieht doch gut aus heute. Öl fällt, schwache Arbeitsmarktdaten, dadurch fallende renditen…

Charttechnisch orientierte Aktionäre blicken bereits auf das bisherige Rekordhoch der US-Notierung, das noch nicht wieder erreicht ist. In Euro liege die Aktie auch deshalb so hoch, weil der Dollar zuletzt etwas fester tendierte. Eingewandt wird allerdings, dass die alte Bestmarke nur im Handelsverlauf und nicht auf Schlusskursbasis erreicht worden sei. Die Stimmung bleibt damit erwartungsvoll, aber nicht euphorisch.

Wall Street muss den Anstieg bestätigen

Eröffnet hatte die Aktie bei 206,23 Euro und arbeitete sich bis zum frühen Nachmittag stetig nach oben. Ob der Schwung trägt, dürfte sich mit dem Handelsstart in New York zeigen. Mehrere Skeptiker rechnen damit, dass US-Investoren das Jahreshoch für Gewinnmitnahmen nutzen könnten; ein Rückfall unter die Marke von 200 Euro wird in diesem Lager nicht ausgeschlossen. Kurs-Optimisten halten dagegen, bei Nvidia und dem Speicherspezialisten Micron sei bereits eine Jahresendrally angelaufen. Langfristig orientierte Aktionäre verweisen darauf, dass die Aktie frühere Rückschläge stets wieder aufgeholt habe – eine Erfahrung, die keine Garantie für die Zukunft darstellt.

Die Anleger-Stimmung schwankt damit zwischen Vorfreude auf weitere Bestmarken und der Sorge, dass der Rekordlauf ebenso schnell kippen könnte, wie er gekommen ist. Die Frage nach der Nachhaltigkeit der KI-Finanzierung dürfte den Kurs dabei weiter begleiten.

Bn-Redaktion/sb
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