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Fünfte Warnung

Analysten rücken von Rheinmetall ab 06.11.2026, 13:32 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Fünfte Warnung: Analysten rücken von Rheinmetall ab
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Rheinmetall 818,00 EUR -1,51 % L&S Exchange
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Bernstein und Oddo BHF kassieren ihre bisherigen Empfehlungen für Rheinmetall. Weitere Häuser senken nach der Gewinnwarnung vom Mittwochabend ihre Kursziele – und die Aktie findet keinen Halt: Am Freitagmittag notiert sie bei knapp 810 Euro und damit 2,5 Prozent im Minus, zwischenzeitlich rutschte sie mit 797,75 Euro sogar unter die Marke von 800 Euro. Seit der Warnung summiert sich der Verlust auf fast 20 Prozent. Unter Aktionären ist der Ton entsprechend gereizt.

JPMorgan zählt die fünfte Warnung binnen elf Monaten

Rheinmetall erwartet für 2026 nur noch einen Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro angepeilt waren. Die operative Marge soll bei etwa 18,5 statt rund 19 Prozent liegen. Als Gründe nennt der Konzern die Verzögerung beim Projekt Arminius, mit dem die Boxer-Flotte der Bundeswehr modernisiert werden soll, sowie später abgerufene Artilleriemunition. Bei JPMorgan wurde daran erinnert, dass es bereits die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung binnen elf Monaten sei. Oddo BHF zufolge werde es Zeit brauchen, den Vertrauensverlust wieder auszumerzen.

Genau dieser Punkt beherrscht auch die Diskussion auf Anlegerseite. Mehrere Aktionäre halten dem Management vor, das Vertrauen verspielt zu haben – die Kritik reicht bis zur Forderung nach personellen Konsequenzen im Vorstand. Besonders bitter fällt die Rechnung aus, dass eine Prognosesenkung um mindestens eine halbe Milliarde Euro Umsatz den Konzern ein Vielfaches davon an Börsenwert gekostet habe.

Man kann nicht Quartal für Quartal die Prognose senken, Ziele verfehlen und dann auf steigende Kurse hoffen.

Die wiederholten Korrekturen wiegen für viele schwerer als jede einzelne Quartalszahl, der Grundton ist resigniert.

Volle Auftragsbücher, verschobene Umsätze

Operativ wächst Rheinmetall allerdings weiter: Im dritten Quartal stieg der Umsatz um fast ein Drittel auf 3,15 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro. Der Auftragsbestand liegt bei rund 78 Milliarden Euro. Beim Bankhaus Metzler wird die weitere Expansion dennoch zurückhaltender abgewartet – angesichts offensichtlicher Schwierigkeiten, potenzielle Aufträge in gesicherte Umsätze umzuschlagen. Citigroup sieht die Aufträge dagegen lediglich verzögert, nicht verloren.

An dieser Frage scheiden sich auch unter Anlegern die Geister, und beide Seiten argumentieren mit dem Auftragsbuch. Aus Sicht der Skeptiker bringen Aufträge erst Geld, wenn sie tatsächlich ausgeliefert werden – und genau daran hapere es, solange Verträge nicht zustande kämen. Langfristig orientierte Aktionäre halten dagegen, die Zahlen seien gut, Arminius sei nicht vom Tisch, und wer auf Jahre investiert sei, achte auf Fundamentaldaten statt auf den Tageskurs.

Kapitalmarkttag soll die Ziele neu justieren

Verschärft wird der Druck auf die Aktie durch die politische Großwetterlage. US-Präsident Donald Trump stellte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem russischen Gesandten Kirill Dmitrijew ein großes Abkommen zur Ukraine in Aussicht, das womöglich ganz Europa betreffen könnte. Anlass war eine lokale Feuerpause in der ukrainischen Stadt Oleschky. Unter Anlegern wird ein Kriegsende mehrfach als zusätzliches Risiko für die ohnehin angeschlagene Aktie genannt – bis hin zu der Sorge, frei werdende Rüstungsmittel könnten in andere Haushaltslöcher fließen. Dem wird entgegengehalten, es gehe bislang nur um eine Feuerpause in einer einzelnen Stadt, eine schnelle Abkehr von der Aufrüstung sei nicht in Sicht.

Klarheit erhoffen sich Analysten vom Kapitalmarkttag am 27. November. Bei Oddo BHF wird erwartet, dass er zunächst nur die Erwartungen kalibriere. UBS sieht in der Warnung eher einen konservativeren Prognoseansatz und hält es für möglich, dass dort realistischere Ziele festgelegt werden. Auch Kepler kappte das Kursziel; wie bei allen anderen Häusern liegt es aber weiter klar über dem aktuellen Kursniveau – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung.

Auf Aktionärsseite richtet sich der Blick bis dahin vor allem auf die 800-Euro-Marke, deren Unterschreiten am Vormittag für spürbare Nervosität sorgte. Die Stimmung bleibt gedrückt – nach den wiederholten Rückschlägen ist die Geduld vieler Aktionäre sichtbar aufgebraucht.

Bn-Redaktion/sb
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