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Gegen den Strom

Infineon erholt sich vom Ausverkauf 06.11.2026, 12:54 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Gegen den Strom: Infineon erholt sich vom Ausverkauf
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Name Aktuell Diff. Börse
Infineon Technologies 46,41 EUR +2,48 % Baader Bank
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Infineon stemmt sich gegen den Abwärtssog an der Frankfurter Börse. Die Aktie des Halbleiterkonzerns gewinnt am Mittag 3,3 Prozent auf 46,76 Euro und hat die zaghafte Stabilisierung vom Vormittag damit deutlich ausgebaut. Der DAX verliert zur selben Zeit 1,7 Prozent auf rund 25.700 Punkte. Am Donnerstag war das Papier noch auf den tiefsten Stand seit April gerutscht.

Wahlsieg der Demokraten reißt Chipwerte mit

Auslöser des Einbruchs war ein politischer Schock aus den USA. Nach dem deutlichen Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen brach der Nasdaq 100 am Donnerstagnachmittag um 6,4 Prozent ein – der heftigste Tagesverlust seit dem Corona-Crash 2020. Der Halbleiterindex SOX sackte sogar um 12 Prozent ab. Die Investmentbank Bernstein prägte dafür das Bild vom „blauen Tsunami“, in Anspielung auf die Parteifarbe der Demokraten. Am Markt wächst die Sorge, dass die neuen Mehrheiten im Kongress den Ausbau von KI-Rechenzentren bremsen könnten. Bei UBS wird geschätzt, dass rund 30 Prozent der für 2028 erwarteten US-Rechenzentrumskapazität durch Baupausen gefährdet sein könnten. Am stärksten traf der Ausverkauf deshalb die Ausrüster der Rechenzentren.

Genau dort ist Infineon mit Leistungshalbleitern für die Stromversorgung von KI-Servern zu einem wichtigen Zulieferer geworden. Für das laufende Geschäftsjahr peilt der Konzern in diesem Segment Erlöse von mehr als 1,6 Milliarden Euro an. Aus Aktionärssicht stößt die Befürchtung, Washington könne diesen Boom ausbremsen, allerdings auf deutliche Zweifel:

Glaubt ihr denn ernsthaft, dass die Demokraten die KI-Entwicklung aufhalten können?

Politik könne den Ausbau allenfalls verzögern, nicht aber die technologische Entwicklung umkehren – so lässt sich diese Haltung zusammenfassen. Der Ton dieser Stimmen ist eher trotzig als verunsichert.

Bernstein hält die Panik für übertrieben

Ähnlich sehen es ausgerechnet die Experten, die den Begriff des Tsunamis geprägt haben. Bei Bernstein wird die Marktreaktion als übertrieben eingeschätzt. Die neuen Amtsträger dürften ihren Widerstand gegen KI-Rechenzentren letztlich abschwächen, heißt es dort – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung. Dass sich Infineon am Freitag nicht allein erholt, stützt das Bild einer Gegenbewegung in der ganzen Branche: Siltronic legt 3,2 Prozent auf 51,15 Euro zu, SUESS MicroTec 2,9 Prozent auf 44,89 Euro.

Auf Anlegerseite wird der Rückschlag ähnlich nüchtern eingeordnet: Mehr als eine Korrektur nach dem langen KI-Lauf sei das nicht, lautet der Tenor. Eine Kapitulationsstimmung lässt sich daraus nicht ablesen.

Zahlen am 10. November werden zum Prüfstein

Wie belastbar die Erholung ist, bleibt offen. Binnen einer Woche hat die Aktie trotz des heutigen Plus rund 12 Prozent eingebüßt, vor einer Woche notierte sie noch bei gut 53 Euro. Am 10. November legt Infineon die Zahlen für das vierte Quartal und das gesamte Geschäftsjahr vor. Dann dürfte sich zeigen, ob das Geschäft mit Rechenzentren den politischen Gegenwind tatsächlich abfedern kann.

Aus fundamentaler Anlegersicht treten politische Schlagzeilen ohnehin in den Hintergrund. Infineon müsse erst noch beweisen, nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften, und die Aktionäre anschließend etwa über Rückkäufe oder höhere Dividenden daran beteiligen, wird argumentiert. Bis dahin sei jede Kursbewegung vor allem Spekulation. Der Ton bleibt damit abwartend: Die schnelle Erholung wird registriert, das eigentliche Urteil aber auf die Bilanz vertagt.

Bn-Redaktion/sb
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