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Halbiert seit Rekordhoch

Rheinmetall hebt ab nur die Aktie nicht 07.10.2026, 09:34 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Rheinmetall 956,35 EUR +0,76 % Quotrix Düsseldorf
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In Neuss, wo Rheinmetall früher Autoteile fertigte, laufen jetzt Radarsatelliten vom Band. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hat dort die Serienproduktion von SAR-Satelliten gestartet und der Bundeswehr exklusiven Zugriff auf einen Teil der Flotte gesichert. Die Aktie zieht dennoch nicht mit: Am Mittwochmorgen notiert sie mit gut 955 Euro praktisch unverändert, nur knapp über dem Jahrestief von 936,55 Euro – und rund halb so hoch wie beim Rekord von 1.945 Euro. Unter Aktionären überwiegt die Ernüchterung.

50 Satelliten pro Jahr aus Neuss

Gebaut werden die Satelliten von der Rheinmetall Iceye Space Solutions GmbH, an der Rheinmetall 60 Prozent hält; Partner ist das finnische Unternehmen Iceye. Rund 50 Stück sollen pro Jahr entstehen, Anfang 2027 soll der erste Neusser Satellit mit einer Rakete von SpaceX ins All starten. Die Radartechnik liefert auch nachts und bei dichter Bewölkung präzise Bilder von Truppenbewegungen. Für den Konzern ist es ein weiterer Baustein einer breit angelegten Expansion, zu der zuletzt bereits ein Schiffbauer, ein Werk für Flugzeugteile und eine größere Drohnenfertigung gehörten.

Aus Anlegersicht stimmt zumindest die Richtung: Raumfahrt sei ein Zukunftsfeld, klassische Panzer dagegen kaum noch gefragt. Die Kehrseite wird ebenso deutlich benannt – die Investitionen in immer neue Sparten seien fragwürdig.

Glaube das Unternehmen will zu viel und der Kurs sagt sich "ne Danke, ich Cash aus"

Hinzu kommt ein struktureller Einwand: Wenn Zukunftsfelder wie Drohnen oder Raumfahrt über Gemeinschaftsunternehmen laufen, könnte vom Ergebnis weniger direkt beim Konzern ankommen. Bei der Satellitentochter mit ihrem 60-Prozent-Anteil ist genau das der Fall. Die Stimmung zum Weltraumgeschäft bleibt damit gespalten.

Bundeswehr bucht eigene Radaraugen für die Ostflanke

Den Rahmen liefert die Aufrüstung an der Nato-Ostflanke. Mit der Bundeswehr hat die Rheinmetall-Tochter einen mehrjährigen Vertrag über rund 1,7 Milliarden Euro plus Erweiterungsoption, die Radarsysteme der gebuchten Satelliten stehen künftig ausschließlich der deutschen Armee zur Verfügung. Nach Angaben des Beschaffungsamts sind die verbesserten Aufklärungsfähigkeiten wesentlich für den Schutz der Ostflanke und der deutschen Brigade in Litauen. Zudem wird eine größere SAR-Ausschreibung vorbereitet, an der sich auch OHB und Airbus beteiligen wollen.

Auf Aktionärsseite wurde die Hoffnung geäußert, dass der Bremer Raumfahrtkonzern OHB von der wachsenden Nachfrage nach Radaraufklärung mitprofitieren könnte. Die Kurse zeigen davon bislang wenig: OHB gibt am Morgen rund 1,7 Prozent auf gut 165 Euro nach und hat im Wochenverlauf rund 8 Prozent verloren, Airbus notiert leicht im Minus bei knapp 187 Euro. Optimisten sehen sich durch die volle Auftragslage und steigende Gewinne bestätigt. Dagegen steht der Einwand, dass Aufträge wenig nützten, wenn Vorprodukte knapp und teuer seien. Der Ton zur Fundamentalseite ist damit vorsichtig zuversichtlich.

Satelliten-Meldung verpufft an der Börse

Im Wochenverlauf war die Aktie zwischenzeitlich noch bis auf gut 992 Euro gestiegen, seither hat sie knapp 4 Prozent abgegeben; am Dienstag, dem Tag der Satelliten-Meldung, schloss sie bei 954,90 Euro. Dass die Nachricht keinen Schub brachte, wird unter Anlegern als bekanntes Muster gelesen, bei dem gute Neuigkeiten für Gewinnmitnahmen genutzt werden. Kein reines Rheinmetall-Problem sei das, lautet ein weiterer Hinweis – die gesamte Rüstungsbranche habe zuletzt unter Druck gestanden.

Die Gegenrede: Die Panik sei überzogen, gemessen am Kursniveau seien die jüngsten Schwankungen keine Katastrophe. Skeptiker verweisen dagegen auf die Bewertung: Die Unternehmenszahlen passten nicht zu dem, was zum Rekordhoch eingepreist gewesen sei, zudem hänge die Aktie stark an der Weltpolitik. Kursziele von Analysten spielten derzeit kaum eine Rolle, entscheidend seien eher die gemeldeten Leerverkaufspositionen. Die Anleger-Stimmung schwankt damit zwischen Ernüchterung über den halbierten Kurs und dem Vertrauen in das langfristige Geschäft. Ob der erste Satellitenstart 2027 und die anstehende SAR-Ausschreibung neue Impulse liefern könnten, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Bn-Redaktion/sb
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