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Vergesellschaftung

Berliner Koalitionspoker hält Vonovia in Atem 09.10.2026, 11:47 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Seit dem Wahlsieg der Linken steht über Vonovia ein politisches Fragezeichen. Am Freitag setzten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Sondierungsgespräche fort, diesmal auch mit dem Landeshaushalt auf der Tagesordnung – und damit mit der Frage, wie teure Wahlversprechen überhaupt finanziert werden sollen. Die Vonovia-Aktie notiert mit 16,38 Euro kaum verändert (plus 0,2 Prozent), hat binnen einer Woche aber rund 3 Prozent verloren. Unter Aktionären überwiegt eine Mischung aus Ernüchterung und demonstrativer Gelassenheit.

SPD stellt sich gegen die Enteignungspläne

Die Linke war bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft geworden. Große Teile der Partei wollen den Volksentscheid von 2021 umsetzen, bei dem eine Mehrheit der Berliner für die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne gestimmt hatte, und machen das zur Bedingung für eine Koalition. Die SPD lehnt das ab. Den Weg für die Sondierungen hatte erst eine am Donnerstag vorgestellte gemeinsame Vereinbarung zum Schutz jüdischen Lebens freigemacht, die Grüne und SPD zur Voraussetzung gemacht hatten.

Aus Anlegersicht ist genau dieser Konflikt der Grund, die Pläne nicht allzu ernst zu nehmen. Mehrere Aktionäre bezweifeln, dass ein rot-grün-rotes Bündnis die Enteignung tatsächlich durchsetzen könnte: Die Berliner SPD würde sich damit gegen die eigene bisherige Linie stellen und politisch selbst beschädigen, so der Tenor.

Klar gingen die mit Maximalforderungen in den Wahlkampf auf Stimmenfang nach dem Motto 'für die späteren Koalitionsverhandlungen brauchen wir genügend Munition'. Allerdings wäre die 'Linke' historisch gesehen nicht die erste Partei, welche ihre Versprechungen gegenüber ihren Wählern nicht einlösen kann.

Ganz so leicht wird das Risiko auf Aktionärsseite allerdings nicht abgetan. Das Thema Vergesellschaftung bleibe auf dem Tisch, lautet der Einwand – zumal es ein rot-rot-grünes Bündnis in Berlin schon einmal gegeben habe. Die Einschätzung bleibt damit gespalten zwischen Zweifel an der Umsetzbarkeit und der Sorge, dass sich die Debatte noch lange hinziehen könnte.

Milliardenlöcher im Berliner Etat

Dass ausgerechnet der Haushalt jetzt auf der Agenda steht, ist für Vonovia nicht unerheblich. Die Finanzlage des Landes gilt als sehr angespannt, in den kommenden Jahren dürften sich Milliardenlöcher im Etat auftun. Eine Vergesellschaftung wäre nach den Plänen der Befürworter nur gegen Entschädigung möglich – eine Rechnung, die ein ohnehin klammer Landeshaushalt erst einmal tragen müsste.

Unter Anlegern wird dieser Punkt mit spitzer Feder kommentiert: Am Ende müssten wohl andere Bundesländer wie Bayern über den Länderfinanzausgleich für die Enteignung aufkommen, heißt es sarkastisch. Der Ton zu diesem Sachpunkt ist eher spöttisch als besorgt – die Finanzierungsfrage gilt als eine der größten Hürden für die Pläne.

Zinsen drücken zusätzlich auf den Kurs

An der Börse ist das politische Risiko längst eingepreist. Am Tag nach der Wahl war die Aktie um 2,2 Prozent auf 17,31 Euro gefallen, seither hat sie rund weitere 5 Prozent eingebüßt. Auf Jahressicht summiert sich das Minus auf fast 40 Prozent. Auch die Berliner Tochter Deutsche Wohnen tritt mit 15,07 Euro auf der Stelle und hat im Wochenverlauf gut 2 Prozent abgegeben; TAG Immobilien verliert 1,1 Prozent auf 10,32 Euro.

Aus Aktionärssicht ist Berlin allerdings nur ein Teil der Erklärung. Der jüngste Zinsanstieg und der Ölpreisschub hätten die zarte Erholung des Immobilienwerts abgewürgt, wird argumentiert. Positiv vermerkt wird zumindest, dass die Dividende bislang nicht gestrichen wurde. Langjährige Aktionäre, die deutlich höher eingestiegen sind, üben sich in Geduld, während andere die Kursverluste inzwischen für überzogen halten und auf Entspannung setzen. Die Stimmung schwankt damit zwischen Resignation und der Hoffnung, dass sich die Berliner Gespräche am Ende als weniger gefährlich erweisen könnten als befürchtet.

Bn-Redaktion/sb
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