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Rekordkater

DAX verpasst die Erholung der Wall Street 06.11.2026, 16:29 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Rekordkater: DAX verpasst die Erholung der Wall Street
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Die Wall Street erholt sich, Frankfurt bleibt zurück. Während der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 am Freitag nach seinem schwersten Tagesverlust seit dem Corona-Crash wieder rund 1,9 Prozent zulegt, notiert der DAX zuletzt 1,3 Prozent tiefer bei 25.805 Punkten. Am Nachmittag hatte das Minus zeitweise noch 2,4 Prozent betragen – im Tief lag der Leitindex mehr als 1.000 Punkte unter seinem erst am Donnerstag markierten Rekord von knapp 26.693 Punkten.

Frankfurt holt den US-Ausverkauf nach

Ausgelöst wurde der Einbruch in New York: Nach dem Sieg der Demokraten in beiden Kammern des Kongresses wächst die Sorge, dass Washington den Ausbau von KI-Rechenzentren bremsen und die Regulierung der Branche verschärfen könnte. Der Nasdaq 100 verlor am Donnerstag 6,4 Prozent, der Halbleiterindex SOX sogar mehr als 12 Prozent. Am Freitag drehen die US-Chipwerte bereits wieder nach oben – Nvidia gewinnt knapp 6 Prozent, AMD rund 10 Prozent. In Frankfurt dagegen kam der Ausverkauf erst mit einem Tag Verzögerung richtig an, während der MDAX sein Minus zuletzt auf 0,3 Prozent eingrenzte.

Aus Anlegersicht wirkt der Freitag wie ein verspäteter Nachvollzug: Der DAX hole nach, was Dow Jones und Nasdaq am Vortag vorgemacht hätten. Pointiert formuliert es @Aktiendude91, der den Index nach der Rekordparty ausreichend verkatert sieht – ohne neuen Druck von außen sei kein Grund für weitere Abgaben zu erkennen. Der Ton bleibt nervös, aber nicht panisch.

Experten uneins über das Ende der Korrektur

Wie lange der Kater anhält, ist offen. Bei der Consorsbank hieß es, das starke Wahlergebnis der Demokraten erhöhe das Risiko eines langsameren KI-Ausbaus, ein Ende der Korrektur sei noch nicht abzusehen. Julius Bär hält die Befürchtungen dagegen für übertrieben, schließt weitere Verluste aber nicht aus; solche Volatilitätsspitzen seien historisch eher in der Nähe von Tiefpunkten aufgetreten als zu Beginn langer Bärenmärkte. Swisscanto/ZKB wertet den Rutsch als kurzfristige Bereinigung, da viele Rechenzentrumsprojekte vertraglich abgesichert seien. Dabei handelt es sich um externe Einschätzungen, nicht um redaktionelle Empfehlungen.

Unter Anlegern überwiegt die Erwartung einer Gegenbewegung nach dem heftigen Abverkauf. Zuversichtlich klingt der Blick auf die KI-Story selbst:

KI wird sich nicht in Luft auflösen, viele Sorgen sollten bald vorerst wieder verschwinden. Die Tech-Bosse werden immer Wege finden, die Entwicklung voranzutreiben.

Offen bleibt allerdings, wann der Tiefpunkt erreicht ist. Skeptiker halten dagegen, eine Erholung könne nur eine Atempause sein, bevor eine zweite Verkaufswelle folge. Die Stimmung pendelt damit zwischen trotziger Zuversicht und abwartender Vorsicht.

Wenig Technologie als Puffer für den DAX

Ein Argument spricht aus Sicht von Marktbeobachtern für Frankfurt: Der DAX ist vergleichsweise wenig technologielastig. QC Partners zufolge kommt der Leitindex deshalb relativ gut durch die Krise, CMC Markets sieht Chancen, dass sich Europa zumindest teilweise von der US-Techschwäche abkoppeln könnte. Eine Jahresendrally müsse nicht ausfallen, dürfte aber holpriger verlaufen. Verschärft wird die Lage für Technologiewerte durch die Zinsfrage: Am Dienstag stehen US-Inflationsdaten für Oktober an, Merck Finck erwartet eine Teuerung von 4 Prozent – EZB und Fed könnten im Dezember erneut die Zinsen anheben, was hoch bewertete Tech-Aktien zusätzlich belasten dürfte. Entlastung kommt vom Ölpreis: Die Hoffnung auf ein Ende des Irankriegs drückt Brent um 1,8 Prozent auf gut 97 Dollar je Barrel, umgerechnet rund 87 Euro.

Auf die Jahresendrally will sich auf Anlegerseite längst nicht jeder verlassen – schon 2024 und 2025 habe es keine echte Rally zum Jahresende gegeben, wird erinnert. In der neuen Woche stehen mit Infineon und Siemens Energy zudem zwei deutsche KI-Profiteure mit Quartalszahlen im Rampenlicht. Auf Wochensicht liegt der DAX trotz des Rekords rund 0,7 Prozent im Minus – die Erwartungen an die kommenden Tage fallen entsprechend gedämpft aus.

Bn-Redaktion/sb
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